Ursula Liechti

Ich wurde am 27. März 1951 in Winterthur geboren, wo ich auch heute lebe und arbeite.
Malen und Zeichnen - ein Wunsch, der schon lange in mir schlummerte - weckte ich 1993 mit einem ersten Zeichnungskurs. Danach besuchte ich die Kunstschule ZMK Winterthur. Das Malen wurde für mich ein bedeutender Teil meines Lebens. Aquarell und Acryl sind seit 1993 meine treuen Begleiter. Das gegenständliche wie auch das ungegenständliche Arbeiten interessiert mich gleichermassen.

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Wenn der Betrachter das sieht, was ich malen wollte, das sieht, was er sehen will, Situationen erkennt, die ihm vertraut sind, Neues entdeckt, Fantasien und Träume weckt, dann sind das die Bilder und die Momente, die mich glücklich machen und mich stets aufs Neue herausfordern, weiter zu malen.

 


Einige Gedanken zu meiner Malerei

Ruhe, Harmonie und Ausgleich, das finde ich beim Malen.
Sogleich auch oft ein kleiner Kampf mit dem Nichts,
dem Farblosen, sich langsam in eine Komposition verwandelndem Etwas.
Das sich zu einem Bild werdende Papier zu bearbeiten
ist mit Spannung und Freude verbunden.

Ich male nicht zu bestimmten Zeiten.
Zum Malen gibt es keine Zeit. Es sind immer die Momente,
sowohl am Tag wie in der Nacht.

Im Jahre 1993 belegte ich den ersten Zeichnungskurs.
Seither besuche ich regelmässig diverse Kurse
in verschiedenen Techniken.

Suchen*, finden, verändern, umsetzen.
Gedanken, auch innere Bilder, mit der Realität verbinden.
Wortlose Kommunikation mit der Welt,
in der ich mich befinde.

Die Inspiration finde ich in der Natur
und im alltäglichen Leben.
Malen ist ein Ausdruck von Gefühlen,
und mit Spannung und mit einer Ruhelosigkeit lasse
ich mich von meinen weiteren Werken überraschen.

 

*Auf der Suche zu bleiben, ohne
zu finden, ist besser, als nur das
Gefundene zu hüten.
Ernst Reinhardt


Farben des Herzens

Gedanken zum Schaffen von Ursula Liechti
Von Barbara Dieth, Kunsthistorikerin

Die Strassenmaler, denen Ursula Liechti während ihrer Ferienaufenthalte begegnet, üben eine grosse Faszination auf sie aus, insbesondere die Porträtisten haben es ihr angetan. Wenn sie ihnen über die Schultern schaut, spürt sie den Drang, sich diese Fähigkeiten auch anzueignen. 1993 beschliesst Ursula Liechti schliesslich, die Herausforderung anzunehmen und schreibt sich für einen Zeichenkurs bei der Winterthurer Künstlerin Barbara Ott ein. Sie wird in ihrem Gefühl bestärkt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Es folgen Kurse im Aquarellieren. Viele Bilder entstehen in dieser Technik doch Ursula Liechti fühlt sich zu wenig herausgefordert, will intensivere sattere Farben einsetzen und den Pinsel grosszügiger Schwingen können. Um die Jahrtausendwende beginnt sie, mit Acryl zu experimentieren. Sie findet ihre eigene Bildsprache. Zu Beginn malt Ursula Liechti vornehmlich auf Papier, erst nach und nach kommen Holz und Leinwand zum Einsatz. Die Auseinandersetzung mit der Malerei ist intensiv, Ideen und Bilder werden ungeachtet der Tageszeit umgesetzt. Suchen, finden, verändern und umsetzen ist ihr Leitsatz. Die leere Leinwand fordert sie stets aufs Neue heraus. Mit der Grundierung in einer vorher festgelegten Farbe beginnt die Auseinandersetzung, der erste meist schwierige Schritt ist getan, und dann materialisiert sich das Bild im Kopf auf der Leinwand. Aus dem Auftrag diverser Farbschichten scheint das Motiv hervor und nimmt Gestalt an. Die Formen sind reduziert, wirken sachlich, die applizierten Farbtöne hauchen ihnen Leben ein. Die Künstlerin schafft ausdrucksvolle, atmosphärische Gemälde, die den Betrachter auf der Gefühlsebene berühren. Ursula Liechti gelingt es, durch gekonnte Farbwahl Spannung aufzubauen und Stimmungen zu vermitteln. Das Spiel mit Licht und Schatten, der Kontrast zwischen der reduzierten Form und der Intensität der Farbe erhöht die Expressivität. Einige Gemälde werden von Farbschichten und Farbfeldern dominiert und wirken in ihrer Reduktion nahezu abstrakt.
Zu den bevorzugten Motiven der Künstlerin gehören Menschen. Es gelingt ihr durch expressive Farbanwendung Wesen zu schaffen, die im Betrachter Emotionen auslösen. Auffällig ist die Art und Weise, wie sie die Gesichter mittels ausdrucksvoller Farben und Pinselstriche modelliert und ihnen Leben einhaucht. Man wähnt sich Abbildern von Personen gegenüber, die Ursula Liechti nahe stehen. Aber weit gefehlt: es handelt sich um Leute, die sie irgendwann einmal unterwegs getroffen oder in den Ferien skizziert hat.
Das Stillleben gehört ebenso zu ihren Lieblingsdisziplinen und scheint Tummelplatz für die Erprobung diverser Stilmittel zu sein. Materialität, Komposition, Farbkontrast werden immer wieder in Frage gestellt und in unzähligen Werken thematisiert.
Bemerkenswert sind ausserdem die Landschaftsbilder, in denen die Künstlerin ebenfalls durch gekonnte Farbwahl Stimmungen und Atmosphärische zu transportieren weiss. Auch hier geht Ursula Liechti eher sparsam mit realistischen Formen um. Die Landschaftselemente bauen sich vor dem Auge durch gezielt gesetzte Farbtupfer, Pinselstriche und Farbfelder auf. Das Kolorit erweckt je nachdem Assoziationen zu Wiesen, die noch feucht sind vom Morgentau, zu saftiger Frühlingsvegetation, südlicher, trocken heisser Gegend oder herbstlich kargem Feld. In diesem Genre tendiert die Künstlerin vereinzelt hin zur Abstraktion.
Die erste Ausstellung kam zustande, weil Ursula Liechti’s Ehemann ihr den Schubs ins kalte Wasser gab, indem er ihr ungefragt einen Ausstellungstermin im Quartiergasthof organisierte. Dies geschah Anno 1996 und die Künstlerin ist sich auch heute noch nicht sicher, ob sie selber den Mut gehabt hätte, mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu treten. Seither stellt sie sich in jährlich Präsentationen dem Publikum.
Ursula Liechti erfährt den Pinsel als Verlängerung des Herzens. Die Farbwahl erfolgt nicht mit dem Kopf sondern aus dem Gefühl heraus. Sie will positive Eindrücke vermitteln und vermeidet Kopflastigkeit in ihrer künstlerischen Arbeit. Die Bilder sind ein Amalgam aus realistischen und fantastischen Elementen. Die Freude und Energie, die sie beim Malen verspürt sollen auch für den Betrachter erfahrbar sein.